Wo Design, Fotografie und Illustration aufeinandertreffen, da ist auch des Grafikers Geheimwaffe nicht weit: das Moodboard. Es wird zum wichtigen Element einer Content-Strategie. Der Einsatz dieser visuellen Stimmungskollagen ist bei Web-Designern und anderen Kreativen sehr beliebt. Lesen Sie warum.

Moodboards verkörpern in den frühen Phasen eines Designprozesses einen kritischen Erfolgsfaktor. Sie bilden eine gemeinsame Design- und Verständnisbasis für sämtliche am Kreationsprozess beteiligte Personen –in Sachen Bildstil, Bildaufbau und Farbwelt. Wer in der Kreativ-Branche tätig ist, der weiß wie schwierig es sein kann, anderen die eigene Designidee näherzubringen. Doch was ist ein Moodboard genau, und wie sieht es eigentlich aus?

Moodboards als Inspirations- und Emotionskollagen

Bevor ein Designer an die Produktion eines neuen Werkes geht, erfolgt zuvor eine Art Brainstorming- bzw. Inspirationsprozess. Er denkt darüber nach, welche Funktionen das zukünftige Produkt erfüllen soll, wie es aussieht und welche Emotionen es beim User auslösen soll. Designideen und innere Inspirationsbilder können einem Designer in unterschiedlichsten Formen in den Kopf schießen. Ein Moodboard hilft dabei diese greif-, spür- und vor allem betrachtbar zu machen – nämlich in Form von Bildern. Diese werden gesammelt, kombiniert und auf eine freie Fläche gepinnt.

Moodboards als visuelle Sprache

Sauber ausgearbeitete Moodboards dienen als Übersetzer von Gedanken und Emotionen, sodass eine visuell konsistente Bildkollage entsteht. Auf Basis dieser treffen die Verantwortlichen weitreichende Design- und Layout-Entscheidungen, die den Produktionsprozess maßgeblich beeinflussen. Aber damit nicht genug: Über Moodboards werden visuell getriggerte Emotionen kreiert, die Dritten vermitteln, wie das Look & Feel eines bestimmten Produktes aussehen könnte. Aber damit nicht genug: Über Moodboards werden visuell Emotionen erzeugt. Sie vermitteln dem User, wie das Look & Feel eines bestimmten Produktes aussehen könnte. Und das nicht nur in der Werbe-, Marketing-, und Grafik-Szene. Moodboards kommen unter anderem auch in folgenden Bereichen zum Einsatz:

  • Grafik- und Editorial-Design
  • Webdesign
  • Industriedesign
  • Film- und Set-Design
  • Modedesign
  • Fotografie
  • Innenarchitektur

Moodboards als Instrument im Grafik- und Marketingbereich

Am häufigsten sind Moodboards im Bereich Grafikdesign, Marketing und Medien anzutreffen. Aber machen wir es konkreter: Immer wenn Sie ein neues Magazin, ein Blog, einen Imagefilm oder eine Werbekampagne konzipieren wollen, bedarf es vorab eines Moodboards. Auch im Social-Media-Bereich lassen sich diese hervorragend einsetzen – etwa wenn Sie einen Instragram- oder Snap-Chat-Channel ins Leben rufen wollen. Doch wie genau geht man die Sache nun an?

Moodboards als offener Dialog

Welche Arten von Visuals in einem Moodboard enthalten sind, ist prinzipiell offen. Das können Fotos und Grafiken, einzelne Icons aber auch Text-Bausteine sein. Es spielt auch keine Rolle, ob der Content online oder offline gefunden wird. Beim ersten Sichten von Grafik-Elementen ist alles erlaubt. Und gepinnt wird, was gefällt. Manchmal ist es auch sinnvoll die gesammelten Contents mit Notizen zu versehen, um später noch zu wissen, unter welchen Gesichtspunkten etwas ausgewählt wurde.

Viele Wege führen nach Rom – so auch beim Thema Moodboard-Erstellung. Denn die Bandbreite an Tools und Möglichkeiten, um dies zu tun, ist groß. Das kann einerseits eine simple Pinnwand im Büro sein, andererseits ein Photoshop-File oder eines der vielen Gratis-Tools, die es dazu mittlerweile im Web gibt. Hier eine Übersicht von ein paar guten Tools für die Moodboard-Erstellung – einfach ausprobieren.

Moodsboards als homogenes Stimmungsbild

Nach Zusammenstellen der ersten ungefilterten Sammlung von Visuals folgt ein Evaluierungsprozess – am besten auch mit anderen beteiligten Designern und Kreativköpfen. Dabei werden Grafiken ergänzt und andere entfernt. Die Mechanismen wie Menschen optische Fremdkörper identifizieren, wurden schon in den 1920er Jahren von einer Gruppe deutscher Psychologen beschrieben: In „The Gestalt Principles“ führen sie aus, dass Menschen grafische Elemente nach deren gemeinsamen Erscheinungsformen ordnen – also nach Form, Farbe und Größe. Was im Fall des Moodboards übrig bleibt, ist ein homogenes und im wahrsten Sinne des Wortes stimmiges Stimmungsbild.

Moodboards in der Praxis

Bevor das open-educational-resource-Blog des Studiengangs „Content Strategy“ der FH JOANNEUM online ging, hielt ich eine Session zur Erstellung des dazugehörigen Moodboards. Bevor die Teilnehmer lospinnten, haben wir die Rahmenbedingungen und die Einbettung dieser Plattform in den Kommunikationsmix der Hochschule besprochen. Klar war, dass sich die Bilderwelt und das Look & Feel des Webdesigns an den Corporate-Design-Richtlinien der FH JOANNEUM orientieren mussten. Und doch sollte eine eigenständige Bildsprache gefunden werden. Herausgekommen ist danach Folgendes:

Moodboard_people.indd

In der Theorie soweit so gut. Nach etwa einem Monat laufenden Betrieb mussten sich dann aber alle an der Plattform Beteiligen eingestehen: Moodboards dienen bestens dazu festzulegen, wie die Bilder eines Mediums aufbereitet sein und aussehen sollen. Im operativen Alltag eines dynamischen Medienkanals wie einem Blog, einer Website und Co. bedarf es jedoch auch Personen, die sich ständig darum kümmern die benutzten Visuals zu evaluieren und gegebenenfalls auszutauschen. Sind viele Autoren, Grafiker und Fotografen beteiligt, müssen auch alle über die notwendigen Skills verfügen und auf dem selben Wissensstand sein. Ein Kriterium, das sich im Falle der open-educational-resource-Plattform des Studiengangs Content Strategy als nicht ganz einfach erwiesen hat.

Moodboards bei Einzelproduktionen

Anders sieht die Sache bei Einzelproduktionen wie etwa Imagevideos, Print-Produktionen und Werbesujets aus. Hier dient das Moodboard dazu, die visuellen Rahmenbedingungen für den Produktionsprozess eines Werkes abzustecken. Die dynamische Komponente der fortwährenden Evaluierungsnotwendigkeit fehlt – und damit reduziert sich auch die Komplexität in der operativen Umsetzung erheblich.

Ein schönes Beispiel ist ein Projekt aus meinem Berufsalltag: Für das neue Messgerät „Litesizer 500“ des internationalen High-tech-Konzerns Anton Paar wurde von meinem Video-Team ein Storytelling-basiertes Imagevideo erstellt. Sieht man sich einzelne Takes dieses Spots an, ist eindeutig erkennbar, dass die vorab konstruierte Stimmungswelt konsistent und gut konzipiert war.

Moodboard_Litesizer500_Spot

Einfach mal starten

Beim Einsatz von Moodboards können die Beteiligten kaum etwas falsch machen. Am besten ist es einfach anzufangen und die Zeit bewusst in dieses Kreativ-Tool zu investieren. Das schafft eine gemeinsame Verständnisbasis von Design- und Stimmungsideen und legt die Marschrichtung in der operativen Umsetzung einer Produktion fest. Ausprobieren lohnt sich – glauben Sie mir.