Was gibt es Neues zu den Web Content Accessibility Guidlines? Eric Eggert vom W3C machte Halt beim IKT Forum 2016 an der Johannes Kepler Universität Linz und stellte die wichtigsten Punkte vor.

Das IKT Forum in Linz ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung für Menschen mit und ohne Behinderung. Themenschwerpunkte sind unter anderem Technik und Lebensqualität, Tablets und Apps, unterstützende Kommunikation und barrierefreie Information. Letzteres ist das Fachgebiet unseres Dozenten Eric Eggert. Nach einem lockeren Einstieg – Eric Eggert stellte Gemeinsamkeiten zwischen seiner Heimatstadt Essen und der oberösterreichischen Landeshauptstadt fest (u.a. Wappen und Kulturhauptstadt) – tauchte er in das Thema Accessibility, sprich WCAG 2.0. ein.

Bewusstsein für Web Accessibility schaffen

Eric Eggert, Accessibility Spezialist des W3C

Eric Eggert, Accessibility Spezialist des W3C

Die Kernfrage der W3C-Initiative war und ist, wie man alle Menschen für das Thema Web Accessibility sensibilisieren kann. Am besten gelingt das, wenn Alltagssituationen, in die sich jeder hineinversetzen kann, nachgestellt werden. So auch im Video zum Thema Keyboard Compatibility. Das W3C zeigt in diesem hier Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, die eine Website ohne Maus bedienen müssen. In einer Sequenz geht die Maus kaputt, in einer anderen kann eine Frau die Maus wegen ihres Gipsarms nicht bedienen. Und manche Menschen mit Behinderungen sind ohnehin auf einen Mausstick angewiesen, mit dem sie die Tastatur bedienen.

Dieses Prinzip wendet das W3C in allen Videos an und erreicht somit nicht nur Menschen, die darauf angewiesen sind, sondern vor allem auch jene, die sich über Accessibility bisher noch keine Gedanken gemacht haben.

Web Accessibilbity Tutorials

W3C unterstützt Web-Entwickler, Designer, Trainer und Projektmanager bei der Umsetzung barrierefreier Websites. Auch Content-Strategen haben ein großes Interesse, allen Zielgruppen, d.h. auch Menschen mit Behinderungen, qualitativ hochwertige Inhalte, zugänglich zu machen. Derzeit bietet das W3C Tutorials zu den Themen Menüs, Seitenstruktur, Bilder, Tabellen, Formulare und Slide Shows an.

Bei Menüs gilt es allgemein zu beachten, dass sie in sich schlüssig sind und sich die User leicht zurechtfinden. Zudem sollten die Nutzer von Screen Readern und Tastaturen wissen, welcher Link aktiv ist bzw. auf welcher Seite sie sich gerade befinden. Ideal ist es, wenn Menü-Buttons groß sind, damit auch Menschen, die Probleme mit ihrer Feinmotorik haben, diese problemlos anklicken können. Fly-out bzw. Dropdown Menüs dürfen nicht sofort verschwinden, nachdem ein User mit eingeschränkter Fingerfertigkeit ein Untermenü verlässt. Weitere nützliche Hinweise zu Menüs und anderen Themen finden sich in den W3C Tutorials.

Tipps für Content-Writer

Als Einstieg in das Thema Accessibility stellt das W3C Einsteigertipps zu den Bereichen Designing, Writing und Developing vor. So kommt es beim Texten vor allem auf folgende Punkte an:

  • Informative, einzigartige Titel überlegen
  • Gute Überschriften dienen der Struktur und Übersichtlichkeit
  • Niemals „Hier klicken“ oder ähnliches schreiben. (auch aus SEO-Gründen)
  • Bilder bitte mit genauen Alternativtexten beschreiben, d.h. kurz aber präzise erklären, was zu sehen ist
  • Es sollte auch eine Niederschrift, von dem was in Video- und Audio Dateien zu sehen bzw. hören ist, verfügbar sein
  • Generell ist es immer ratsam, eine einfache und leicht verständliche Sprache zu verwenden, d.h. komplexe Fachbegriffe zu vermeiden oder zumindest erklären und zur Veranschaulichung z.B. auch Listen und Bilder nutzen

WCAG 2.0 Guidelines

Wer überprüfen möchte, ob der Online-Content den Accessibility Guidelines entspricht, sollte sich die Evaluation Tool List auf der W3C-Seite näher ansehen.

W3C stellt auch detaillierte Infos zu den WCAG 2.0 Guidelines sowie alle Voraussetzungen und technischen Möglichkeiten für die korrekte Umsetzung zur Verfügung.

Erwähnt sei hier auch noch ein Instrument (WCAG-EM Report Tool), welches zwar keine Accessibility Checks liefert, sondern versierten Evaluatoren hilft, einen strukturierten Bericht gemäß der Website Acessibility Conformance Evaluation Methodology zu erzeugen.

WCAG 2.0: Neue Initiativen

Um ständig Neuerungen zu begegnen und den Ansprüchen vieler Menschen mit besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden, gibt es im Rahmen von WCAG 2.0 einige neue Initiativen. Für verschiedenste Bereiche werden Task Forces ins Leben gerufen, um sich gezielt den unzähligen Erfordernissen zu widmen.

Mobile Accessibility Task Force

Die Mobile Accessibility Task Force beschäftigt sich mit Belangen rund um die Nutzung von mobilen Endgeräten. Nachdem die geltenden Richtlinien auch die Nutzung von mobilen Geräten einschließen, gibt es keine Dokumente, die speziell diesen Bereich betreffen. Nachdem zunehmend mehr Nutzer über Smartphones, Tablets o.ä. Webseiten besuchen, rückt der Bereich aber immer mehr ins Blickfeld.

Cognitive and Learning Disabilities Accessibility (COGA) Task Force

Eine eigene Task Force (COGA), widmet sich den Bedürfnissen von Menschen mit Lernschwächen und kognitiven Beeinträchtigungen. Was auf den ersten Blick nicht wirklich augenfällig ist, zeigt sich bei genauerer Beschäftigung als weitreichendes Betätigungsfeld.

So können sich Menschen mit beeinträchtigtem Kurzzeitgedächtnis zum Beispiel keine Passwörter merken, jene mit Sprachproblemen sind auf einfache und klare Formulierungen angewiesen. Dyskalkulie-Betroffene haben Probleme mit zahlenbezogenen Referenzen wie z.B. Prozentangaben. Auch Konzentrationsschwächen können sich auf die Möglichkeiten das Internet uneingeschränkt zu nutzen auswirken.

Kognitive Beeinträchtigungen betreffen auch Menschen mit zunehmendem Alter, folgedessen sind immer mehr Menschen davon abhängig, dass Inhalte angemessen aufbereitet und zugänglich sind.

Nachdem es unmöglich ist, sofort allen Beeinträchtigungen gerecht zu werden, weil es derer einfach so viele gibt, die COGA Task Force aber für die Betroffenen auch tatsächlich Verbesserungen erzielen möchte, setzt sie auf ein schrittweises Vorgehen, bei dem nach und nach auf verschiedenste Bereiche fokussiert wird.

Low Vision Accessibility Task Force

Die Low Vision Accessibility Task Force beschäftigt sich mit den Erfordernissen von Sehbeeinträchtigten bei der Nutzung von Webseiten. Unter Sehbeeinträchtigung versteht man hier alles, was sich von kompletter Blindheit unterscheidet, aber nicht durch einen Sehbehelf korrigiert bzw. verbessert werden kann. Umfasst werden hier unter anderem altersbedingte Sehfehler, Farbenblindheit oder “amtliche Blindheit”, trotz der man unter optimalen Bedingungen manche Dinge erkennen und auch lesen kann.

Man geht davon aus, dass diese Problematik rund drei Prozent der Weltbevölkerung betrifft.

Webrelevant sind hier Sehschärfe, Lichtempfindlichkeit, Kontrastempfindlichkeit, Beeinträchtigung des Sehfeldes und Farbenblindheit.

Accessibility Conformance Testing Task Force

Eine Accessibility Conformance Testing Task Force soll sich hinkünftig um die Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen und Testing-Tools für Web-Accessibility kümmern. So sollte eine einheitliche Interpretation hinsichtlich der Einhaltung der WCAG 2.0 Guidelines erreicht werden.

Der Besuch des IKT Forums in Linz hat sich aber nicht nur wegen der Einblicke in die Neuerungen rund um WCAG 2.0 gelohnt. Vielmehr hat gerade der Rahmen der Veranstaltung die Wichtigkeit des Themas deutlich gemacht.

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