Vier Semester lang setzen sich die COS-Studierenden mit Portfolios auseinander. In der Arbeit an ihrem Portfolio halten sie inne, geben der Reflexion über ihre Lernprozesse Raum, vernetzen sich und teilen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit anderen.

Einbettung in das Studium

Die Lehrveranstaltung „Open Space und Portfolio“ zieht sich durch alle vier Semester des Studiengangs. Ziel der Lehrveranstaltung ist es die Studierenden in ihrer Selbstorganisation, bei der (Online-) Kommunikation und Kooperation, beim Umgang mit den E-Learning Werkzeugen sowie beim Innehalten und der Reflexion eigener Lernprozesse zu unterstützen.

Die Studierenden reflektieren ihre Lernprozesse während des Studiums, dokumentieren diese in einem Portfolio und üben in einer vernetzten Umgebung im Austausch mit anderen zu lernen. Die Arbeit am Portfolio ist ein wesentlicher Bestandteil des Studiums.

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Paul Felberbauer – Dezember 2016

Berufsbegleitend studieren

Berufsbegleitend Studierende stehen vor der Herausforderung, die Verantwortung für den eigenen Lernprozess, der individuell und in Lern-Netzwerken abläuft, zu übernehmen. Gemäß den Prinzipien des Konnektivismus – Autonomie, Diversität, Offenheit, Vernetzung/Interaktion – aggregieren die Studierenden Inhalte, machen etwas Eigenes daraus (remix), adaptieren es für den eigenen Kontext (repurpose) und teilen es mit anderen (feed forward) (Siemens, 2005; Downes 2012). D.h. angeregt durch Aufgabenstellungen erzeugen sie selbst „Content“, der in die jeweiligen Netzwerke einfließt. Der Anspruch individuelle Lernwege für die Studierenden in ihrem jeweiligen Berufskontext anzubieten, führt zu einem hohen Grad an Komplexität und stellt Lehrende vor eine große Herausforderung.

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Pia Stelbrink, Michael Leitner, Tini Binder, Christoph Schlemmer – 2016

Portfolios

Portfolios als Instrument zur Stärkung der Selbststeuerung und Reflexion sind ein wichtiger Bestandteil des didaktischen Methodenkoffers im Studiengang. Ein Portfolio als Sammlung studentischer Lernergebnisse zeigt die Entwicklung und Erfolge der Studierenden in einer Zeitleiste. Breuer (2009) sieht Portfolios als nützlich in einer Lernkultur, bei der Lernende und Lehrende die Rollen von Beobachtenden und AkteurInnen einnehmen. Werden Portfolios online präsentiert, verändert sich der Arbeitsprozess der Studierenden durch die Möglichkeiten, die das Netz bietet. Zu den Aktivitäten wie sammeln, auswählen, reflektieren, präsentieren kommen weitere hinzu, wie archivieren, verlinken, erzählen, zusammenarbeiten, publizieren.

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Susanne Westbrock – Dezember 2016

Entwicklung der Portfolios

Die COS-Studierenden arbeiten an E-Portfolios, die öffentlich abrufbar sind und deren technische Umsetzung in der Verantwortung der Studierenden liegt. Wenn gewünscht können Studierendengruppen individuelle Portfolio-Beiträge auch in einem gemeinsamen Portfolio sammeln. Im ersten Semester beginnt die Auseinandersetzung mit den Portfolios, die Studierenden erstellen ein Konzept für ihr Portfolio. Im zweitem Semester wird das Konzept umgesetzt und mit dem kontinuierlichen Befüllen der Portfolios begonnen. Gemäß den Ansätzen von Emergent Learning bringen die Studierenden in einer recht offenen Aufgabenstellung ihre Sicht in den Lernprozess ein (Williams, 2012).

Als technische Plattform wählen die Studierenden Blogplattformen und soziale Netzwerkdienste. Monatlich unterziehe ich, in meiner Rolle als Lehrende, die Online-Portfolios einem Monitoring, zweimal pro Semester gebe ich den Studierenden individuelles Feedback.

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Irene Michl – Jänner 2017

Bewertung der Portfolios

Die Portfolios sind individuelle, persönliche Werke der Studierenden, die sich mit ihrem Portfolio identifizieren und es zu ihrem Projekt machen (sollten). Eine objektive Beurteilung der Portfolios ist nicht möglich. Im Diskurs mit dem ersten Jahrgang COS14 entwickelte ich ein Bewertungsschema, welches quantitative und qualitative Kriterien vereint. Quantitativ werden etwa die Anzahl der Beiträge oder die Kontinuität der Arbeit am Portfolio bewertet, qualitative Kriterien sind etwa die Vernetzung mit Quellen und Personen sowie der Bezug zur Arbeitswelt. Der Festlegung der Note geht ein Diskussionsprozess zwischen einzelnen Studierenden und mir voraus.

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Max Sommer – Jänner 2017

Mit den Portfolios leben

Die kontinuierliche Arbeit am Portfolio passiert (nur) dann, wenn es mir gelingt, die Studierenden kontinuierlich zu motivieren. Dabei geht es einerseits darum die Anzahl der Beiträge im Auge zu behalten, andererseits jedoch auch um inhaltliches Feedback. Durch die Beobachtung der Studierenden-Portfolios erhalte ich Einblicke in die Welt der Studierenden, in die Herausforderungen der Integration von Arbeit und Studium, in das spezielle Fachwissen einzelner Studierender. Ich lasse mich immer wieder durch die Online-Räume der Studierenden treiben, kommentiere, tweete einen Beitrag, wenn ich ihn auch für andere interessant finde, erkenne die Mühe der Studierenden durch „likes“ an.

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Andrea Kahr – Juni 2016

Fazit

Durch die Portfolios und ihren meist reflexiven Inhalt nehme ich die Studierenden während des gesamten Studiums recht gut wahr und bin mit ihnen in einem Dialog. Diese Art der Lernbegleitung finde ich didaktisch spannend, da sie den Studierenden Eigenverantwortung und Spielräume ermöglicht, mit einem gewissen Sicherheitsnetz durch meine Beobachtung.

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Dominik Buchbauer – Jänner 2017

Literatur

Breuer, Angela Carmen (2009). Das Portfolio im Unterricht: Theorie und Praxis im Spiegel des Konstruktivismus. Vol. 8. Waxmann Verlag.

Downes Stephen (2012). Connectivism and Connective Knowledge. Essays on meaning and learning networks. Retrieved from http://www.downes.ca/files/books/Connective_Knowledge-19May2012.pdf (p 495)

Siemens, Georg (2005). Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age. In: International Journal of Instructional Technology and Distance Learning, Vol. 2 No. 1, Jan 2005. Retrieved from http://www.itdl.org/Journal/Jan_05/article01.htm

Williams, Roy, Karousou, Regina & Mackness, Jenny (2011). Emergent Learning and Learning Ecologies in Web 2.0. International Review of Research in Open and Distance Learning, Vol 12, Nr 3. Retrieved from http://www.irrodl.org/index.php/irrodl/article/view/883

Headerbild: Judith Köck, Sabine Ettema, Anna Fokina, Ines Hochstöger: https://medium.com/cosartig-s-blog

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