Der Kurzfilm über Wasfia Nazreen zeigt, wie man über sich selbst hinauswachsen kann und regt an, sich näher mit der Situation und der Geschichte von Bangladesch zu beschäftigen.

Das von mir im Rahmen von Hubert Weitzer’s Lehrveranstaltung ausgewählte Video “A Woman’s Epic Journey”  erzählt die Geschichte von Wasfia Nazreen. Eine einzigartige Frau aus Bangladesch, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Seven Summits, also die höchsten Berge der 7 Kontinente, zu besteigen. Nach einer traumatischen Kindheit, dem Verlust der Heimat und dem Aufwachsen ohne Eltern begibt sie sich auf die Suche nach der eigenen Identität und findet eine Frau, die ungeahnte Kräfte entwickelt und mit ihrer Kampagne auf das Schicksal der Frauen ihrer Nation aufmerksam macht.

Was zählt, ist die Einzigartigkeit

Das MUSE-Konzept sieht vor, sich genau mit dem Charakter, den Schauplätzen, dem Plan und dem Plot der Geschichte auseinander zu setzen.

Wasfia Nazreen ist eine einzigartige Frau. Sie ist die erste Frau aus Bangladesch, die es geschafft hat, alle Seven Summits zu bezwingen. Sie hat eine schwierige Kindheit hinter sich und kann gerade daraus Kraft schöpfen, weil sie durch die Auseinandersetzung mit sich selbst, weiß wer sie ist und wo ihre Stärken liegen.

Es gibt einige Plätze, die wichtig für das Verstehen der Geschichte sind. Der erste davon (siehe Slide 4) ist Wasfia’s Heimat. Es gibt auch Berggipfel (Slides 5 und 6), von denen der einzelne für sich genommen aber nicht so wichtig erscheint wie das Gesamtvorhaben, also die Besteigung aller sieben Gipfel.

Wasfia erzählt von der Wichtigkeit des Meditierens für ihr Vorhaben (Slide 7). Beim Extrembergsteigen kommt es mitunter darauf an, umgehend die richtige Entscheidung zu treffen, denn davon können Menschenleben abhängen. Dafür muss man in sich selbst ruhen und geistig stark sein und dafür steht der gezeigte Meditationsraum.

Immer wieder sieht man Wasfia im abgedunkelten Interviewraum. Die Stelle, als sie davon erzählt, wie sie vom Tod ihres Trainers und Berggefährten erfahren hat, ist besonders berührend (Slide 8).

Letztendlich wird Wasfia inmitten einer Runde von Mädchen gezeigt (Slide 9). Sie sind es, denen sie all ihre Kraft widmet: die Mädchen ihrer Heimat und deren Zukunft.

Am Ende des Videos, wird mit dem Schwenken der Bangladesch-Fahne am Gipfel (Slide 10) noch einmal Bezug genommen auf die Wichtigkeit der eigenen Identität.

Das Warum ist wichtig

Der Plan der Geschichte und damit die Wichtigkeit der Aussage liegt wohl darin zu zeigen, dass man aus schwierigen Situationen Kraft schöpfen kann, und alles schaffen kann, wenn das Vorhaben wichtig genug ist. Auch wenn Schwierigkeiten und Hürden überwunden werden müssen, was zählt ist das Erreichen des hochgesteckten Ziels, nicht nur für sich, sondern auch im Dienste der Gesellschaft.

Der Plot der Geschichte ist schnell erzählt: Zum einen geht es um Selbstfindung, zum anderen darum ein Zeichen zu setzen und aufmerksam zu machen auf das Schicksal anderer. Wasfia begreift sich als Frau aus Bangladesch.

Ein Kreis schließt sich mit den Kindern ihres Trainers und Weggefährten, von dessen Tod Wasfia erfährt, als sie zu ihrer Antarktis-Expedition unterwegs ist. Die beiden Mädchen, denen auch ein Teil des Videos gewidmet ist, verweisen einerseits auf die Kindheit von Wasfia, die Aufgrund der Trennung der Eltern bei einer Tante aufgewachsen ist und damit ebenfalls zu einer Art Waisin wurde. Wafias Schicksal verweist andererseits auf eine positive Zukunft und macht Mut, auch angesichts der traurigen Situation der beiden Mädchen.

Letztendlich sieht es Wasfia es als ihre Lebensaufgabe an, junge Mädchen zu unterstützen und zu fördern, damit sie eines Tages ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Sie selbst überwindet die Hürden ihrer schwierigen Kindheit, nimmt Training auf sich, beklagt den Tod ihres Freundes und Mentors – um am Ende daraus für ihre Bestimmung Kraft zu schöpfen.

Bangladesch im Kurzportrait – den Kontext verstehen

Die Geschichte hat mich angeregt, die Umstände der Frauen in Bangladesch ein bisschen genauer zu beleuchten.

Bangladesch, vormals Ostpakistan, erreichte 1971 nach dem Bangladesch-Krieg seine Unabhängigkeit. Nach wie vor ist Bangladesch eines der dichtbesiedeltsten Länder der Welt, obwohl die Geburtenrate von durchschnittlich sieben Kinder auf mittlerweile 2,2 gesenkt werden konnte. Nahezu 50% der Frauen Bangladeschs sind Analphabeten. Zwar ist das Land seit einigen Jahren auf solidem Wachstumskurs, Armut ist aber in weiten Teilen des Landes weit verbreitet. Viele Frauen leiden auch heute noch unter Kinderzwangsehen, mittellose Eltern verkaufen nach wie vor minderjährige Mädchen an ältere Männer für Heiratszwecke. Nach wie vor sind Frauen in allen Lebensbereichen Männern untergeordnet.

Wasfia möchte mit ihrer “Aktion” auf das Schicksal dieser Frauen aufmerksam machen, und ist bereit, dafür selbst über ihre Grenzen zu gehen. Eine eindrucksvolle Geschichte über die persönliche Stärken einer einzigartigen Frau und die Schwächen der Gesellschaft.

Quellen:
http://nationalgeographic.org/projects/explorers-week/wasfia-nazreen/
https://en.wikipedia.org/wiki/Wasfia_Nazreen
http://adventure.nationalgeographic.com/adventure/adventurers-of-the-year/2015/wasfia-nazreen/
http://www.everest.cc/7-summits.shtml
https://de.wikipedia.org/wiki/Bangladesch
http://www.aloha-bangladesh.org/02_03-assb-bangladesch-frauenrecht.html

Related Posts