Viele Menschen brauchen einen barrierefreien Webzugang - vielleicht in Zukunft auch du selbst. In der Vorlesung “Accessibility and Multiscreen Design” von Eric Eggert haben wir gehört, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist, Websites barrierefrei zu machen.

Warum Accessibilty, also die Auseinandersetzung mit barrierefreiem Web, auch in einem Studienfach wie Content-Strategie nicht fehlen darf, ist schnell erklärt: Wir planen Content für das Web. Und das Web wird auch von Leuten genutzt, die aus irgendeinem Grund in ihrer Web-Nutzung eingeschränkt sind. Für genau jene Leute – und es sind weitaus mehr, als man im ersten Moment annehmen möchte, nämlich rund 15 Prozent (!) – sollte auch das Internet und die Webseiten darin barrierefrei zugänglich sein. Denn auch diese Leute mit ihren speziellen Bedürfnissen sollten und sollen das Internet nutzen und innerhalb von Webseiten interagieren können.

Quelle: Schätzung der Anzahl Menschen mit Behinderungen, Statistik Schweiz

Die W3C Accessibility Documents zeigen, wie man Webseiten so gestalten kann (und sollte), dass sie barrierefrei sind. Sie sind für jeden im Internet frei zugänglich. Hier sollen nur einige Beispiele kurz angerissen bzw. folgende Empfehlungen gegeben werden (unter den genannten Links finden sich viele weitere Informationen zu Web Accessbility):

Dabei handelt es sich um einen technischen Standard, dessen Ziel es ist, zu erklären wie den Bedürfnissen von Menschen mit Einschränkungen im Web zu begegnen ist.

Zur Sicherstellung, ob diejenigen, die das Content-Management-System bedienen, damit auch den Content barrierefrei veröffentlichen können.

Um interaktive Webseiten, zum Beispiel Slack, barrierefrei zu gestalten.

Der Web Accessibility „WCAG Theme Song“ zeigt die Wichtigkeit der Thematik und bringt zum Ausdruck welche Barrieren im Netz zu berücksichtigen sind.

Beispiele von Supporting Documents

Hier kann ich danach filtern, was ich brauche, um meine Webseite barrierefrei zu machen. Zum Beispiel kann ich explizit nach Informationen zu “Content Creation” suchen.

Das ist eine Step-by-Step-Anleitung um Accessibilty-Checks durchzuführen. Ich kann hier zum Beispiel überprüfen, ob der Page-Title “accessible” ist. Allerdings eignen sich diese Checks nur für eine erste Bestandsaufnahme, nicht für eine tiefgehende Überprüfung der Barrierefreiheit.

Eine Liste von Tools, die Webseiten automatisch bezüglich Barrierefreiheit überprüfen. Der Nachteil hierbei ist, dass ein Tool nicht alles überprüfen kann. Schließlich muss ein Titel einer Webseite auch Sinn ergeben und nicht bloß vorhanden sein.

Hier kann man sich gut vorstellen, wie Menschen mit besonderen Bedürfnissen das Internet nutzen, zudem werden Personas und ihre Bedürfnisse vorgestellt. Beim Gestalten einer Webseite ist es sehr nützlich diese im Hinterkopf zu behalten.

Demonstration einer Webseite vor ihrer Adaptierung auf Barrierefreiheit und danach.

Gedacht für Menschen, die am technischen Background interessiert sind: Eine Step-by-Step-Anleitung, welche verschiedenen Dinge man auf einer Webseite barrierefrei machen kann. Derzeit umfasst die Seite sechs Tutorials (Page Structure, Menus, Images, Tables, Forms, Carousels).

Prinzipien & Regeln

Um Struktur in das große Ganze zu bekommen, gibt es auch einige Prinzipien und Regeln, die man befolgen sollte, wenn man eine Webseite hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit erstellt. In WCAG 2.0 gibt es drei Level der Barrierefreiheit auf die auch bei gesetzlichen Vorschriften verwiesen wird:

  1. A – Basic
  2. AA – Best Practices – Das ist der minimalst akzeptierte Standard und in Österreich verpflichtend
  3. AAA – Advanced

Aber nun zu den vier Prinzipien und deren Regeln:

1. Wahrnehmbarkeit

Jeder muss die Möglichkeit haben, den Inhalt der Webseite zu erkennen und konsumieren zu können. Dafür müssen beispielsweise Textalternativen angeboten werden, so dass Menschen, die etwa Braille-Schrift lesen oder sich den Text vorsprechen lassen, auch die Chance haben, den Inhalt wahrzunehmen. Weiters muss man zeitbasierten Medien-Content, zum Beispiel Video oder Audio, mit Alternativen, wie Captions, also Untertiteln, ausstatten. Content muss zudem auf verschiedenen Wegen präsentiert werden können, ohne an Informationen zu verlieren. Dies spielt auch bei Responsive Webdesign eine Rolle. Als letzte Regel sollte man als Webdesigner darauf achten, dass Vorder- und Hintergrund sich deutlich voneinander abheben. Denn niemand wird gerne einen weißen Text auf hellgrauem Hintergrund lesen.

2. Bedienbarkeit

Jeder User muss die Möglichkeit haben, interaktiv auf der Webseite zu arbeiten, also Links zu aktivieren, ein Formular auszufüllen oder zu chatten. Dafür muss darauf geachtet werden, dass man nur unter Verwendung des Keyboards alles auf der Webseite ausfüllen kann. Also müssen die Tabulatoren richtig gesetzt werden, damit ein User auf diese Weise einfach Formulare ausfüllen kann. Außerdem sollte man jedem User genügend Zeit zum Ausfüllen eines Formulars geben oder zumindest die Möglichkeit, es zwischenzuspeichern und später fertig zu bearbeiten. Manche User lesen auch langsamer, also sollte nicht nach wenigen Sekunden ein Pop-Up auftauchen. Beeinträchtige Menschen könnten sich dadurch komplett verunsichern lassen und sich auf der Webseite verlieren.

3. Verständlichkeit

Ein Punkt, den Content-Strategen wohl sehr gerne hören: Webseiten sollten mehr Content-fokussiert gestaltet werden, der Content sollte zudem für jeden verständlich sein. Auch Kennzeichnungen für Headlines sollten vorhanden sein, damit ein Auslese-Programm sofort die Überschrift als solche erkennt. Außerdem wäre es gut, wenn der User unterstützt wird bzw. beim Ausfüllen von Formularen auch gängige Fehler automatisch als Hilfestellung ausgebessert werden.

4. Robustheit

Hier kommt die technische Komponente, ob etwa HTML richtig eingesetzt wurde, ins Spiel. Auch Kompatibilität mit Technologien sollte beachtet werden. Denn viele User mit Beeinträchtigung kommen nicht direkt mit einem Browser auf die Webseite, sondern benutzen “Assistive Technologies”, welche auf dem Browser aufsetzen, wodurch noch eine Schicht zwischen dem Browser und dem User eingezogen wird.

Zum Abschluss wollen wir hier die gesamte Vorlesungs-Einheit von Eric Eggert für weiterführende Informationen zur Verfügung stellen.

Quellen: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/06/blank/key/01.html