Interaktive Infografiken kommen im Online-Journalismus immer häufiger zum Einsatz. Wie sie auch den Sportjournalismus positiv bereichern veranschaulicht die New York Times.

Wibke Weber hat uns in ihrer Lehrveranstaltung über Informationsgrafiken und Datenvisualisierung anschaulich erörtert, wie wichtig die visuelle Aufarbeitung der Daten sein kann. So auch im Sportjournalismus.

Eine Informationsgrafik soll, wie der Name bereits sagt, Informationen grafisch präsentierten bzw. visualisieren. Gerade im Journalismus lassen sich deshalb häufig Infografiken finden, um komplizierte Sachverhalte visuell zu erklären, zu beschreiben oder einfach darzubieten. Interaktive Infografiken weisen zudem den Mehrwert auf, dass mehrere Modi – etwa Bild, Sprache oder Ton – integriert sind. Zudem bieten sie, obwohl ihre kommunikative Funktion vor allem in der Übermittlung von Informationen liegt, dem Leser/User mindestens eine Steuerungsoption. Er hat also die Freiheiten, die Infografik – je nach Option – so zu lesen, wie er es möchte.

Abb. 1 - Interaktive Infografik am Beispiel Euro 2016

Abb. 1 – Interaktive Infografik im Sport-Journalismus am Beispiel Euro 2016

Dieses Fallbeispiel wurde im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft und vor dem Ausscheiden bzw. dem letzten Gruppenspiel Österreichs (22. Juni 2016) publiziert. Es zeigt die unterschiedlichen Szenarien, wie das Spiel der Österreicher gegen Island bzw. die Parallelpartie Portugal – Ungarn enden muss, damit die Mannschaft der Alpenrepublik in das Achtelfinale aufsteigt. So wurden auf der waagrechten Achse die möglichen Ergebnisse von Island vs. Austria eingetragen und auf der senkrechten Ergebnisse des zur gleichen Zeit stattfindenden Spiels.

Sportjournalismus: Infografik zeigt mögliche Szenerien

Der User konnte die einzelnen Möglichkeitsszenarien (z.B. AUT-ISL 1:1 bzw. HUN-POR 2:2) in der Grafik suchen und erhielt beim Darüberfahren des entsprechenden Kästchens mit der Maus eine Information, was diese Ergebnisse für Österreich bedeuten würden. Hier wird also eine kontextsensitive Information angegeben. Die Grafik wird dabei nicht verändert. Zudem wurde mit Farben gearbeitet. Diese Grafik weist eine linear-nonlineare Struktur auf, da der User sich mit der Maus auf der X- als auch der Y-Achse frei bewegen kann. Dies bedeutet eine „Hybridisierung aus vordefinierten Navigationspfaden seitens des Produzenten und einer gewissen Selektionsfreiheit seitens des Nutzers“ (Weber/Wenzel, Interaktive Infografiken, S. 14).

Sportjournalismus: mehr Überblick mit Infografiken

An diesem Beispiel erkennt man, dass interaktive Infografiken einen klaren Vorteil in der Berichterstattung des Online-Sportjournalismus bieten. Würde man all diese Ergebnis-Möglichkeiten und deren Bedeutung für Österreich nur textlich beschreiben, könnten sich Leser leicht in der Flut an Informationen „verirren“. Außerdem wäre diese Darstellung visuell nicht ansprechend. Auch eine nicht-aktive Infografik, wie sie etwa in einer gedruckten Zeitung verwendet werden, würde anhand dieser Möglichkeitsfülle („Was wäre wenn“) wahrscheinlich zu umfangreich und unübersichtlich ausfallen. So hat der User einen deutlichen Mehrwert dank dieser interaktiven Infografik, den er, wie die Verbreitung des Artikels mit der Infografik in den sozialen Medien gezeigt hat, auch gerne annimmt.

Literatur:

Fallbeispiel (Abb. 1):

Gregor Aisch, Adam Pearce, Kevin Quealy: Euro 2016: How Austria Can Qualify For The Next Round. Erschienen in: nytimes.com (18.6.2016). Online unter: http://www.nytimes.com/interactive/2016/06/18/upshot/euro-2016-how-austria-can-advance-to-the-next-round.html?_r=0 (18.6.2016)

Anm.: Der Screenshot der Infografik wurde erst nach dem Ausscheiden Österreichs aus der EM gemacht, die ursprüngliche Infografik unterscheidet sich deshalb vereinzelt von diesem Screenshot, da die Spielergebnisse bereits feststanden.

Literatur:

C. Bouchon: Infografiken. Einsatz, Gestaltung und Informationsvermittlung. Boizenburg: Verlag Werner Hülsbusch 2007. URL: http://www.vwh-verlag.de/vwh/wp-content/uploads/2009/09/bouchon_titeile.pdf

Data Journalism Handbook. URL: http://datajournalismhandbook.org/1.0/en/front_matter_3.html

Infografik Deluxe: Der neue Data-Chef des „Guardian“ setzt auf Visual Content und innovatives Audience Development. URL: https://www.c3.co/blog/infografik-deluxe-der-neue-data-chef-des-guardian-setzt-auf-visual-content-und-innovatives-audience-development/

http://www.mediencommunity.de/content/informationsgrafik (20. Oktober 2014)

Peter Schumacher: Wie User mit interaktiven Infografiken umgehen. Online unter: http://www.onlinejournalismus.de/2006/05/17/wie-user-mit-interaktiven-infografiken-umgehen/ (17. Mai 2006)

Weber, A Wenzel: Interaktive Infografiken: Standortbestimmung und Definition. In: W. Weber, M. Burmester, R. Tille (Hrsg.). Interaktive Infografiken. Heidelberg: Springer Vieweg 2013. S. 3-24

Weber, M. Burmester, R. Tille (Hrsg.). Interaktive Infografiken. Heidelberg: Springer Vieweg 2013.

Merken

Merken

Merken