Sie wollen erfolgreiche Web-Texte verfassen? Googles komplexer Suchalgorithmus spielt im Kampf um die Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle. Wie bewerten Suchmaschinen Inhalte und wie können wir dieses Wissen nutzen? Die Lehrveranstaltung Writing, Editing & Curating Content bringt Licht ins Dunkel.

Warum wir Texte im Web lesen
Wann sind Web-Texte gut lesbar?
Ein Guide für erfolgreiche Web-Texte
Googles Update-Zoo: Panda, Penguin und Humminbird
Schreibblockade oder von der Muse geküsst?


Warum wir Texte im Web lesen

Es gibt viele Gründe, warum Menschen das World Wide Web nutzen. Die gängigsten Motive lassen sich in vier Kategorien einordnen:1

  1. Sie suchen nach Informationen.
  2. Sie möchten etwas kaufen.
  3. Sie suchen nach Unterhaltung.
  4. Sie möchten Teil einer Gemeinschaft sein.

Suche nach Information

Untersuchungen des deutschen statistischen Bundesamtes belegen, dass die meisten Menschen online nach Informationen suchen. Unabhängig von Kriterien wie Alter oder Bildungsstatus erwarten LeserInnen im World Wide Web Antworten auf ihre Fragen. Beispielsweise durchforsten rund 96 Prozent der 25 bis 44-Jährigen das Internet nach Informationen zu Produkten oder Dienstleistungen.2

Der Kaufdrang

Wer etwas kaufen will, informiert sich in der Regel zuvor über die gesuchten Produkte. Geschieht dies online und verläuft die Suche erfolgreich, gelangen User entweder direkt oder durch indirekte Verlinkung auf eine Website. Genau hier kommen Sie als ContentstrategInnen ins Spiel: Bereiten Sie sämtliche Informationen auf Ihrer Website übersichtlich und lesefreundlich auf. Je leichter User auf Ihrer Website finden, wonach sie suchen, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie das Produkt tatsächlich auch  kaufen.3.

Mit Storytelling Ihre Leser binden

Internet, amuse me! Für rund 20 Prozent der User stehen Spaß und Entspannung bei der Internetnutzung im Vordergrund. Vermeiden Sie daher öde Textwüsten und achten sie auf konsistentes Storytelling. Denn der Mensch merkt sich Inhalte leichter, wenn sie in einer zusammenhängenden Geschichte verpackt sind. Erzählen Sie eine!4

Dabei können Sie auf eine Vielfalt an Tricks zurückgreifen. Wenn angebracht, kann beispielsweise Humor Ihrem Online-Auftritt die nötige Leichtigkeit verschaffen.5 Begreifen Sie Storytelling als Mittel, mit dem Sie Schritt für Schritt die Identität Ihrer Marke aufbauen und KundInnen zugleich informieren, unterhalten und an Ihr Unternehmen binden können.6

Soziale Zugehörigkeit erfahren

Websites und deren BesucherInnen sind immer Teil eines großen Ganzen 5: User fühlen sich durch ihre Interessen einer Gruppe zugehörig und suchen den aktiven Austausch 7. Als ContentstrategIn können Sie dieses Verhalten nutzen, um eine loyale Community aufzubauen: Ein kompetenter Social Media Auftritt fördert den aktiven Austausch zwischen Marke und Kundschaft und motiviert auch Interessierte zur Interaktion.

Opel goes grumpyAktionen wie #opelgoesgrumpy oder lustige (aber nicht untergriffige) Antworten auf Kommentare in der Facebook-Timeline von Unternehmen bringen auf den ersten Blick zwar keine besseren Verkaufszahlen. Sie bringen dem User aber die Marke näher, machen sie möglicherweise sympathischer und sorgen für eine stärkere Kundenbeziehung.

Die Informationen zum allgemeinen Verhalten im Internet lassen sich nutzen, um die eigene Zielgruppe auf verschiedenste Weise einzufangen. Nach einem Klick auf Ihre Webseite gilt es nun, den User dazu zu bringen, dass er eine Weile hier bleibt. Die Verweildauer der User ist für Suchmaschinen ein wichtiger Hinweis, dass eine Seite relevant ist, was zu einem verbesserten Ranking führt. Eine wichtige Rolle spielt hier die Lesbarkeit der Texte. Im folgenden Abschnitt erklären wir Ihnen, wie Sie Ihre Inhalte anspruchsvoll, aber nicht überfordernd gestalten.

Wann sind Web-Texte gut lesbar?

Ob ein Text leicht zu lesen ist,das lässt sich in verschiedenen Indices messen. Unterschiedliche Formeln wie der Gunning-Fog-Index, die Wiener Sachtextformel oder der Fleschindex beurteilen Texte nach Kriterien wie durchschnittliche Silbenzahl oder durchschnittliche Satzlänge. Sie geben diese – der zugrunde liegenden Formel entsprechend – in einem Wert aus. Diese Lesbarkeit fließt auch in das Google Ranking ein und beeinflusst, wie leicht (oder schwer) Sie gefunden werden.
Je lesbarer ein Text, desto erfolgreicher ist seine Performance und desto eher belohnt Sie Google mit einem höheren Ranking.

Es stellen sich für den Content Strategen also folgende Fragen:

  • Was charakterisiert einen gut lesbaren Text?
  • Wie prüfe ich die Lesbarkeit meiner Arbeit?
  • Leidet die Qualität eines Textes unter dem Streben nach Lesbarkeit?

Wie wird die Lesbarkeit beurteilt?

Ein Tool, mit dem Sie die Lesbarkeit eines (deutschen) Texts bewerten können, ist fleschindex.de. Die Seite bewertet die eingegebenen Sätze auf einer Skala von 1 bis 100 und bietet so einen guten Anhaltspunkt in Bezug auf dessen Verständlichkeit. Anhand der vorgegebenen Tabelle lässt sich dann auslesen, wie schwierig der eingegebene Text zu verstehen ist:

Flesch-Score Schwierigkeitsgrad
0 – 30 Schwer
30 – 50 Schwierig
50 – 60 Anspruchsvoll
60 – 70 Normal
70 – 80 Einfach
80 – 90 Leicht
90 – 100 Sehr leicht

Die dabei verwendete Formel belohnt kurze Wörter und Sätze mit einem hohen Flesch-Score. Dahinter liegt die Annahme: je weniger Silben, desto angenehmer der Lesefluss und desto leichter verständlicher die Sprache.

Als guten Richtwert und Challenge für TexterInnen sieht Ursula Kronenberger einen Score um die 50 bis 60 Punkte. Ziel ihrer Lehrveranstaltung ist es auch zu vermitteln, wie man hochkomplexe Sachverhalte auf diese Ebene herunterbrechen und verständlich machen kann – journalistisches Basiskönnen, das auch ContentstrategInnen zugute kommt.

Vergleich: Lesbarkeit von Der Standard und oe24

Qualitativ hochwertige Texte haben nicht automatisch einen niedrigen Flesch-Index, sind also nicht automatisch schwer zu verstehen. Eine Gegenüberstellung von Artikeln der Online-Medien derstandard.at und oe24.at zeigt, dass Verständlichkeit oder Unverständlichkeit keine automatischen Garanten für qualitativ hochwertige Texte bzw. Trash-Formate sind.

Texte beider Medien bekamen – für uns überraschend – einen ähnlichen Score. Zwischen Qualität und Lesbarkeit besteht also weder Konkurrenz noch Synergie, das eine schließt das andere nicht aus, Lesbarkeit und Qualität sind vereinbar. Eine große Erleichterung für alle, die befürchtet haben, man könne nur mit seichten Texten konkurrenzfähig bleiben.

Vor- und Nachteile des Flesch-Index

Als Beispiel für eine Lesbarkeitsanalyse dienten uns Zeitungsberichte zu den Themen Börse und Wirtschaft. Wir haben stichprobenartig Posts der Deutschen Wirtschaftsnachrichten und des Wirtschaftsteils der Presse beurteilen lassen, die Scores lagen bei jedem Beitrag zwischen 35 und 50. Werte um die 50 bewiesen, dass auch hochkomplexe Themen wie Devisen oder Auswirkungen von Änderungen in europäischen Anleihen verständlich vermittelt werden können.

Der Flesch-Reading-Score relativiert sich allerdings bei Texten, in denen die Autorin oder der Autor mehrsilbige Worte aus inhaltlichen Gründen mehrmals wiederholt. Dies bringt die Bewertung um einiges nach unten und lässt den Beitrag als schwerer verständlich erscheinen, als er es tatsächlich ist. Hier liegt das Verbesserungspotential für einschlägige Dienste: Wenn Wiederholungen von langen oder komplexen Begriffen für einen Text nötig sind, sollte der Flesch-Index dies in Zukunft berücksichtigen und nicht zwingend bestrafen.

Das letzte Google-Update Hummingbird verschafft AutorInnen in diesem Fall aber Erleichterung. Der Algorithmus bewertet dementsprechend nicht mehr nur die Lesbarkeit nach Silben und Wortanzahl, sondern erweitert die Beurteilung Ihres Content um die semantische Ebene. Er bewertet zusätzlich noch, in welchem Zusammenhang ein Text auf einer Website verfasst ist und belohnt einen kohärenten Schreibstil. Inwieweit die Funktionsweise von Hummingbird für ContentstrategInnen relevant ist, wird in Googles Update-Zoo: Panda, Penguin und Hummingbird erklärt.

Ein Guide für erfolgreiche Web-Texte

Bücher über das Schreiben

Wie schreibt man, um gut lesbar zu sein?

Speziell bei Content, der den Kunden informieren und Interesse wecken soll, ist es wichtig, auf einen klaren Schreibstil zu achten. Außerdem gilt: weniger ist mehr, gemäß der Josef-Pulitzer-Regel.

Direkt, kurz und informativ: Verstanden wird, wer verständlich schreibt.

Eine Studie von Jakob Nielsen (2010) belegt, dass die Lesegeschwindigkeit bei Online-Texten weitaus langsamer ist als bei analogen Texten.5 Zu komplexe Inhalte führen so schnell dazu, dass LeserInnen das Interesse verlieren. Mit klaren Aussagen und einfachen Sätzen können Sie dem entgegenwirken.
Damit Sie gelesen werden, sollten Sie ihre Botschaft schnell und leicht lesbar transportieren. Einen guten Anhaltspunkt bietet die Josef-Pulitzer-Regel: so schreiben, dass es jede/r versteht, unabhängig vom Bildungsgrad. Das heißt für das Online-Texten:

  • Einfache Wörter, klare Sprache, keine Fremdwörter
  • Kurze Sätze, nicht verschachteln
  • Leseverhalten beachten. Die LeserInnen scannen Inhalte in Form des Buchstabens F (F-Form).
  • Aktiv formulieren, Passiv vermeiden
  • Nominalstil vermeiden: weniger Nomen, mehr Verben
  • Keine abgenutzten Metaphern verwenden. Die LeserInnen verlieren das Interesse.

Weniger Nomen, mehr Verben

Ein einfacher Tipp: Vermeiden Sie Wörter mit Endungen wie -heit, -keit, oder -ung. Hinter ihnen verstecken sich meist als Nomen gebrauchte Verben. An dieser Stelle ein kurzes Beispiel: „Die Vorbereitung des Sportlers läuft gerade“ lässt sich ganz einfach durch „Der Sportler bereitet sich vor“ ersetzen. Ein im Nominalstil verfasster Text wirkt sehr förmlich, ist aber zugleich schwerfällig. Mit Verben sorgen Sie für einen angenehmen Lesefluss, erleichtern ein aufmerksames Lesen und erhalten das Interesse am Inhalt.8

Aktiv schreiben und Brücken bauen

Leicht lesbarer und lebendiger sind Texte, die in einem aktiven Stil geschrieben sind. Passive Formulierungen bremsen den Lesefluss.  Aktiv formulierte Sätze binden die LeserInnen direkt in das Geschehen ein und vermitteln Nähe. Passive Sätze hingegen erzeugen Distanz und sind oft schwerer zu verstehen. Aber gerade bei Inhalten im Web fehlt oft eine gewisse Nähe zwischen LeserIn und AutorIn, ein aktiver Stil überbrückt diese Distanz. Je persönlicher Sie Ihre Leser ansprechen wollen, um so wichtiger ist es, dass Sie Ihre Botschaften mit einem aktiven und verbalen Schreibstil transportieren.

Allgemein gehaltene Beschreibungen verleiten oft dazu, User mit “man” anzusprechen. Sie werden als TexterIn natürlich merken, dass sich “man” und auch das Passiv nicht immer vermeiden lässt. Kommen diese Umschreibungen aber zu häufig vor, wirkt ihr Text schnell holprig und distanziert. Wie so oft gilt es, die goldene Mitte zu finden.

Beispiele für holprige Texte können Sie übrigens auch bei Ihnen Zuhause finden. Lesen Sie doch einfach mal die Gebrauchsanweisungen Ihrer elektronischen Geräte. Kühlschränke sind dabei das Paradebeispiel schlechthin, wie Sie hier gut erkennen können:

„Das nun gasförmige Kühlmittel wird abgesaugt, und weg vom Kühlraum im Kompressor wieder verflüssigt, […] Es wird dabei Kondensationswärme frei, die über die vielen Windungen von Rohrleitungen des Verflüssigers an die Küche abgeführt wird.“4

Im Gegensatz dazu ein Best-Practice Beispiel:

Wir haben die wichtigsten Grundlagen […] leicht verständlich für Sie zusammengefasst. Außerdem verraten wir Ihnen spannende Tipps und Tricks, mit denen Sie beim Einkaufen und Kochen einiges sparen können. […] Lassen Sie sich inspirieren und schwingen Sie den Kochlöffel!“9

Wie in allen sprachlichen Stilfragen spielt natürlich auch immer der persönliche Geschmack eine Rolle. Schreiben Sie für ein Unternehmen, kann Ihnen ein Blick auf die Ziele des Marketings helfen und auf die Zielgruppe, die angesprochen werden soll. Welche Botschaften sollen vermittelt werden, welches Image hat die Marke? Richten Sie ihren Schreibstil danach aus, um Ihr Unternehmen optimal zu unterstützen und der Zielgruppe näherzubringen.

Nachdem Sie den Ton Ihrer Inhalte in Einklang mit Ihrem Produkt gebracht haben, sollten Sie sich Gedanken über das Google-Ranking ihrer Website machen. Der folgende Abschnitt erklärt Ihnen, auf welche grundlegenden Dinge Sie achten sollten.

Zoo der Googles Updates: Panda, Penguin und Hummingbird

Fressender Pandabär

Nicht so niedlich wie im Zoo: Googles Panda rankt Content nach Qualität

Googles Suchalgorithmus lebt und entwickelt sich ständig weiter. Die Updates tragen zwar oft niedliche Tiernamen wie Panda, Penguin oder Hummingbird, aber sie haben es in sich. Fast schon erbarmungslos analysieren sie Web-Inhalte unter verschiedenen Gesichtspunkten und beeinflussen die Reihung der Suchergebnisse maßgeblich. Doch was machen diese Update-Tierchen eigentlich? Es ist Zeit für einen Spaziergang durch Googles Update-Zoo.

Web-Texte: Mit Qualität und Struktur den Algorithmus überzeugen

Schon 2011 empfahl Google mit einem Blogpost allen Website-BetreiberInnen, sich auf hochwertigen Content zu konzentrieren. Denn kurz darauf folgte das mittlerweile berühmt-berüchtigte Panda-Update des Google-Algorithmus. Es belohnt Content mit hoher Qualität und bestraft Spam-Content mit einer schlechten Bewertung. Doch woran misst sich Qualität? Im Jahr 2015 veröffentlichte Google vollständige Quality-Rater-Guidelines.10 Diese betrachten Webseiten aus der Perspektive des Users. So bestimmt Google mittlerweile dezidiert, was High-Quality-Pages von minderwertigen Webseiten unterscheidet. 11

2012 knöpfte sich das Penguin-Update dann zu stark SEO-optimierte Websites vor. Wer seine LeserInnen mit Keyword-Spamming foltert, kann seither nur noch von einem Platz in den Top Ten der Suchergebnisse träumen. Seit 2016 gehört dieses Update übrigens zu Googles Kernalgorithmus, Penguin watschelt somit in Echtzeit durchs Internet.

Als letztes Mitglied im Update-Zoo aus dem Silicon Valley folgte Hummingbird im Jahr 2013, das bisher revolutionärste Google-Update. Seither erkennt die Suchmaschine nicht nur einzelne Wörter, sondern auch Phrasen und Sätze. Damit versteht der Algorithmus nun auch komplexe Anfragen und erkennt inhaltliche Zusammenhänge. 90 Prozent aller Suchanfragen sollen laut Google von Hummingbird betroffen sein.

Der einzig logische Schluss für ContentstrategInnen lautet daher: Achten Sie auf die Qualität und Struktur des Contents mit HTML-Tags (Panda), werfen Sie überflüssigen Keyword-Ballast ab (Penguin) und suchen Sie nach logischen Verknüpfungen zwischen Ihren einzelnen Inhalten (Hummingbird). Google wird Sie dafür mit mehr Sichtbarkeit belohnen.

Ursula Kronenberger (2016) hat die gravierendsten Content-Fehler noch einmal kurz zusammengefasst: 7:

  • Zu viele ähnliche Inhalte
  • Eine unnatürliche Keyword-Dichte
  • Fehlerhafte Texte
  • Duplicate-Content
  • Schlechtes Deutsch

HTML-Tags, Keywords und SEO richtig nutzen

In einem Artikel in der Zeitung erkennen wir aufgrund der Formatierung sofort, ob es sich um eine Überschrift oder um Fließtext handelt. Online hingegen machen HTML-Tags und Keywords einen Text auch für Maschinen lesbar. „h1“ definiert zum Beispiel eine Überschrift,
„table“ kennzeichnet Tabellen und „p“ fasst Absätze zusammen. Mit dem richtigen Einsatz dieser Tags und Keywords vermitteln Sie Google, was die wichtigsten Inhalte auf Ihrer Homepage sind.

Web-TexterInnen müssen sich also immer fragen: Was sucht meine Zielgruppe, welche Informationen möchte sie erhalten und wie sucht sie? Ein aussagekräftiger Titel (H1) ist dabei der erste Schritt zum Erfolg. Er besteht idealerweise aus drei bis sieben Worten und umfasst maximal 60 Zeichen. Achten Sie außerdem darauf, das wichtigste Keyword in die Überschrift zu inkludieren. Wer dafür ausgiebig recherchiert und prägnant formuliert, gewinnt. Google Adwords kann auch bei der Suche nach dem perfekten Schlüsselwort hilfreich sein.

Dieselbe Aufmerksamkeit gilt dem Lead. Er soll zwei Aufgaben erfüllen:

  • Dem Leser mitteilen, was ihn erwartet
  • Neugierig machen auf den Text

Ein spannender Lead zieht die LeserInnen in den Text und erhöht so die Verweildauer auf der Website.7

Natürlich spielt auch technisches SEO (Search Engine Optimization) eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem klare Strukturen und hochwertige Verlinkungen auf und zu Ihrer Seite11. Von allzu vielen gekauften Verlinkungen sollten sie jedoch absehen. Achten Sie dafür auf Links zu themenverwandten Seiten. Schließlich wird es ihrem Webauftritt eher schaden als nutzen, wenn Verknüpfungen ins Nirgendwo führen oder für ihre LeserInnen irrelevant sind.

Letzten Endes ist Schreiben aber mehr als Suchmaschinenoptimierung. Witz, Kreativität und Rhythmus machen Sprache doch erst aufregend und interessant. Was jedoch tun, wenn einem die passenden Worte einfach nicht in den Sinn kommen? Im letzten Abschnitt etwas mehr dazu.

Schreibblockade? Das hilft

Wir alle kennen das: eben noch voller Tatendrang, ein jungfräuliches Dokument offen und motiviert, das neue gewonnene Wissen direkt umzusetzen. Doch der erste Satz kommt einfach nicht, die Gedanken irren inspirationslos umher. Die Frage ist: Wo und wie fange ich an?

Die gute Nachricht: Mit gezielten Übungen können Sie Schreibblockaden überwinden. Hier drei Wege zum Erfolg:12

  • Gedankensprints
  • Wortsprints
  • Fokussprints

Diese sind erprobte Methoden aus dem Bereich Schreibfitness. Ziel der Sprints ist es, sich für eine bestimmte Zeit sämtliche Gedanken niederzuschreiben, ohne Zensur und ohne Korrekturen. Rechtschreibung und Tippfehler dürfen dabei also getrost ignoriert werden, die eigene Kreativität und eine ungehemmte Herangehensweise stehen im Fokus.

Um in das allgemeine Mindset des Schreibflows zu kommen, eignen sich Gedankensprints.

 

Figur mit Gedankenblase

Beim Gedankensprint zählt jeder Gedanke. Foto: Ursula Kronenberger und COS16

Getting started: der allgemeine Gedankensprint

Für den allgemeinen Gedankensprint gilt:

  • Auf die innere Stimme hören.
  • Ins Leere oder auf die tippenden Finger schauen. Auf keinen Fall am Bildschirm mitlesen.
  • Keine Korrekturen vornehmen.
  • Keine Pausen machen und alles niederschreiben, was die innere Stimme flüstert.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und Papier beziehungsweise Laptop-Tasten sind geduldig. Hier ein kleiner persönlicher Auszug der Autoren dieses Artikels , erlebt bei einem unserer allgemeinen Gedankensprints mit Ursula Kronenberger:

„Eigentlich gar nicht so einfach, zu schreiben was man denkt wenn man nicht so viel denkt. Eigentlich sehr philosophisch meine Gedanken. Eigentlich sag ich voll oft eigentlich obwohl eigentlich eigentlich gar kein richtiges Wort ist. Komischer Gedanke.“
Nach dem Gedankensprint sollten Sie sich kurz erholen und ablenken. Erst danach macht es Sinn, den entstandenen Text durchzulesen. Der Kopf wirkt wie befreit und ist für darauf folgende Textarbeiten bestens aufgewärmt.

Wortsprint

Während beim Gedankensprint ganze Sätze entstehen, sucht man beim Wortsprint13 assoziativ nach Keywords. Sie suchen sich ein Anfangswort und schreiben darunter ein weiteres Wort, das Ihnen im Zusammenhang mit dem ersten in den Sinn kommt. Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, schreiben Sie einfach “Und noch mehr” darunter.

Herauskommen soll am Ende eine Wortliste, durch die sich ein assoziativer roter Faden zieht. Für spätere Texte kann sich so eine Sammlung an Synonymen ergeben, die wiederum dazu beiträgt, den Schreibflow aufrechtzuerhalten.

Als noch fokussiertere Methode fungiert zu guter Letzt – dem Namen entsprechend – der Fokussprint.

Fokussprint

Diese Art Übung geht bereits von einem vorgefertigten Thema mit bestehenden Überschriften und Keywords aus. Zu dieser Vorgabe werden dann assoziativ ganze Phrasen aneinandergereiht, die einem kontextuell in den Sinn kommen. Hier stehen am Beginn die Überschrift und das gewählte Thema zur Verfügung. Am besten schreiben Sie vollständige Phrasen, Sätze oder Gedankengänge nieder.

Besonders wichtig ist hier ein hohes Maß an Konzentration: Sie sollten stets beim Thema bleiben und es vermeiden, allzu sehr abzuschweifen. Idealerweise liefert Ihnen ein Fokussprint bereits die Bausteine, die Sie benötigen, um einen informativen Text zu verfassen.

Aus den Sprints noch mehr herausholen:

Je nach Persönlichkeitstyp macht es große Unterschiede, in welcher Umgebung Sie einen Sprint durchführen. Einzelkämpfer und ruheliebende Charaktere werden in Ruhe weitaus mehr aus dieser Übung herausholen können als in Gesellschaft. Sind Sie eher extrovertiert und möchten ein bisschen Competition, könnte ein Sprint in der Gruppe ihre Gedanken und Finger geradezu beflügeln und noch bessere Resultate hervorbringen. Es ist also vorteilhaft, die persönlichen Präferenzen in Bezug auf das Arbeitsumfeld und -atmosphäre zu kennen.

Wer sich seiner kompetitiven Seite bewusst ist, kann in einem Sprint auch gegen andere Menschen auf der Welt antreten: Auf mywriteclub.com können Sie sich mit anderen TexterInnen messen. Sie sehen in einem parallelen Fenster, wie viel die GegnerInnen schon geschafft haben.

Anfangs sind Fünf-Minuten-Sprints vor einer Textaufgabe vollkommen ausreichend. Wer eine Steigerung erzielen möchte, kann sein tägliches Pensum bis zu einer Stunde14 hinaufschrauben. Aber auch hier gilt eine Faustregel aus der physischen Fitness-Lehre: In der Ruhephase wächst der Muskel. Gönnen Sie Ihrem Hirn auch mal eine Pause!

An die Tasten, fertig, los!

Dieser Text ist ein Gemeinschaftsbeitrag aller COS’16 Studierenden. Autorinnen und Autoren: Martina Clemente, Ana Čukić, Sebastian Häusler, Elisabeth Hiesmayr, Erik Jaksche, Andrea Jall, Franziska Kissling, Anika Kronberger, Melanie Mitter, Gabriele Pflanzl, Marie Pichler, Jennifer Pinter, Jasmin Pluch, Roland Radlinger, Sonja Radkohl, Rupert Reif, Georg Reimond, Dominik Robotka, Katharina Schwenda, Claudia Taschwer, Pia Unger, Sarah Weishäupl, Gunnar Zlöbl, Katharina Zwickl. Überarbeitet von Benjamin Barteder und Sandrine Fackner

Referenzen


  1. Statistisches Bundesamt (2014): Häufigkeit der Internetnutzung zum Zeitvertreib in Deutschland 2014. Abgerufen von: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/168924/umfrage/haeufigkeit-der-internetnutzung-zum-zeitvertreib/
  2. Statistisches Bundesamt (2016): Für welche privaten Zwecke haben Sie in den letzten drei Monaten das Internet genutzt?. Abgerufen von: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3859/umfrage/internetnutzung-fuer-private-zwecke-in-den-letzten-drei-monaten/
  3. Yeldham, P. (2015, November 27): The Four Reasons People Visit a Website. Abgerufen von http://21thirteen.com/four-reasons-people-visit-website/
  4. Wie kühlt man einen Kühlschrank (2011, Mai 5). Abgerufen von http://www.phyx.at/wie-kuhlt-der-kuhlschrank/
  5. Nielsen, J. (2010, July 10): iPad and Kindle Reading Speeds. Abgerufen von https://www.nngroup.com/articles/ipad-and-kindle-reading-speeds/
  6. Sammer, P. (2014, Jänner 1): Storytelling. Die Zukunft von PR und Marketing. 
  7. Kronenberger U. (2016). Erfolgreich im Internet schreiben. So werden Sie gelesen!. 
  8. Heijnk, S. (2011, März 28): Texten fürs Web. Planen, schreiben, multimedial erzählen. 
  9. Hofer – Smart Cooking (n. d.) Abgerufen von https://www.hofer.at/de/themenwelten/smart-cooking/
  10. Google (2016, März 28): Search Evaluator Guidelines.
    http://static.googleusercontent.com/media/www.google.com/en//insidesearch/
    howsearchworks/assets/searchqualityevaluatorguidelines.pdf
  11. Löffler, M. (2016): Think Content! (korrigierter Nachdruck). Rheinwerk: Bonn. 
  12. Scheuermann, U. (2012, Oktober 24): Die Schreibfitness-Mappe: 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. 
  13. Scheuermann, U. (2016, September 12): Schreibdenken: Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. 
  14. Long, R. (2015, Juli 27): The Spirit of Method Writing. Abgerufen von http://www.insecurewriterssupportgroup.com/2015/07/quest-ramona-long-sprint-method-of.html

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